Brustmassage beim Stillen
- Nadine Wiedmann

- 6. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 15 Stunden
Autorin: Nadine Wiedmann, Hebamme & Stillberaterin & Gründerin von Panta Rhei Family, Begleitung von Familien in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. 06.03.2026
Warum die Brustmassage so wichtig ist für die Kolostrum, Gewinnung , der Muttermilch & deinem Baby
Die Brustmassage ist eine einfache, aber extrem wirkungsvolle Methode, um die Kolostrumgewinnung, das Stillen und das Abpumpen von Muttermilch deutlich zu erleichtern.
Viele Frauen unterschätzen, welchen Einfluss sie auf den Milchfluss, den Fettgehalt der Muttermilch und das eigene Wohlbefinden hat.
Gerade in der Schwangerschaft, im Wochenbett und in der Stillzeit kann die richtige Brustmassage einen echten Unterschied machen – für dich und dein Baby.

Was ist eine Brustmassage – und warum ist sie so wichtig?
Der Hauptgrund für eine Brustmassage liegt in der Ausschüttung des Hormons Oxytocin.
Oxytocin ist eines der wichtigsten Stillhormone überhaupt – es ist verantwortlich für den Milchspendereflex.
Ohne ausreichend Oxytocin:
fließt die Muttermilch schlechter,
das Baby muss mehr arbeiten,
Stillen kann stressig oder schmerzhaft werden.
Durch eine sanfte Brustmassage wird dein Körper optimal auf das Stillen, Abpumpen oder die Kolostrumgewinnung vorbereitet.
Deshalb wird sie auch oft „Oxytocin-Massage“ genannt.
Oxytocin – das Schlüsselhormon beim Stillen
Oxytocin wird oft als Kuschelhormon bezeichnet – und das völlig zu Recht.
Bei stillenden Frauen bewirkt Oxytocin:

Auslösung des Milchspendereflexes
besseren Milchfluss
höheren Fettgehalt der Muttermilch
wird in Wellen ausgeschüttet
hat eine kurze Haltbarkeitszeit
Lockerung des Brustdrüsengewebes
Stressabbau & Entspannung
emotionale Bindung zwischen Mutter und Baby
👉 Je mehr Oxytocin während einer Stillmahlzeit ausgeschüttet wird, desto fettreicher ist die Muttermilch – besonders wichtig für Frühgeborene, kranke Babys oder Neugeborene mit Trinkschwierigkeiten.
Wann solltest du eine Brustmassage durchführen?
Eine Brustmassage ist immer sinnvoll, besonders in folgenden Situationen:

vor jeder Stillmahlzeit
vor der Kolostrumgewinnung
vor dem Abpumpen
vor der händischen Gewinnung von Muttermilch
beim Stillen mit Stillhütchen
wenn du dich gestresst oder angespannt fühlst
bei festem Brustdrüsengewebe
bei kranken oder sehr müden Babys
in den ersten Tagen nach der Geburt
💡 Gerade in stressigen Situationen hilft die Brustmassage, den Körper „umzuschalten“ – weg vom Stress, hin zur Milchabgabe.
Vorteile der Brustmassage für Mutter & Baby
Die regelmäßige Brustmassage bietet viele Vorteile:

Vorteile für dein Baby
leichteres Andocken an die Brust
schnellerer Milchfluss
fettreichere Muttermilch
effektivere Stillmahlzeiten
weniger Kraftaufwand beim Trinken
Vorteile für dich
bessere Milchbildung in den ersten Tagen nach der Geburt
Vorbeugung von Milchstau
Lockerung des Brustdrüsengewebes
Förderung des Lymphabflusses
Stressabbau & mehr Vertrauen in deinen Körper
Brustmassage: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Vorbereitung
Wasche dir vor jeder Brustmassage gründlich die Hände – besonders vor der Kolostrum- oder Muttermilchgewinnung.

Durchführung der Brustmassage
Bequeme Position einnehmen Setze oder lege dich entspannt hin. Atme ein paar Mal tief ein und aus.
Hände auflegen Lege beide Hände gegenüberliegend flach auf deine Brust.
Sanfte Kreisbewegungen Massiere mit leichtem Druck dein Brustdrüsengewebe in kreisenden Bewegungen für ca. 10–15 Sekunden.
👉 Wichtig: Die Haut nicht verschieben – das kann unangenehm sein.
Mamillen-Vorhof massierenKreise nun sanft mit den Fingerspitzen um den Brustwarzenvorhof.
Sternförmig ausstreichen Streiche mit den Fingerspitzen sternförmig von der Brustbasis Richtung Mamille.
Sanftes Schütteln Umfasse deine Brust und schüttle sie leicht, um das Gewebe weiter zu lockern.
⏱️ Gesamtdauer: 30–45 Sekunden

Danach ist deine Brust optimal vorbereitet für:
Kolostrumgewinnung
Stillen
Abpumpen
händisches Entleeren
Brustmassage & Kolostrum – eine perfekte Kombination

Gerade bei der ersten Muttermilch (Kolostrum) ist die Brustmassage besonders wichtig.
Sie hilft dabei:
das Kolostrum leichter zu gewinnen,
den Milchfluss in Gang zu bringen,
die Milchmenge in den ersten Tagen zu steigern.
💛 Tipp: Haut-auf-Haut-Kontakt mit deinem Baby verstärkt die Oxytocinausschüttung zusätzlich.
Häufige Fragen zur Brustmassage (FAQ)
Wie oft sollte ich eine Brustmassage machen?
Vor jeder Stillmahlzeit, jedem Pumpen oder jeder Kolostrumgewinnung – gerne auch mehrmals täglich.
Kann ich mit Brustmassage zu früh Wehen auslösen?
In der Schwangerschaft solltest du Brustmassagen nur nach Rücksprache durchführen.Im Wochenbett und in der Stillzeit sind sie völlig unbedenklich.
Hilft Brustmassage bei Milchstau?
Ja, sie kann helfen, das Gewebe zu lockern und den Milchabfluss zu fördern – bei starken Beschwerden bitte fachliche Unterstützung holen.
Ist Brustmassage auch beim Stillen mit Stillhütchen sinnvoll?
Unbedingt. Stillhütchen können den Oxytocinreflex dämpfen – die Massage gleicht das aus.
Muss ich Öl oder Creme verwenden?
Nein. Die Massage erfolgt ohne Hilfsmittel, um Hautirritationen zu vermeiden.
Hilft Brustmassage bei wenig Milch?
Ja, eine regelmäßige Brustmassage kann helfen, die Milchmenge zu steigern – besonders in den ersten Tagen nach der Geburt. Durch die Massage wird Oxytocin ausgeschüttet, der Milchspendereflex ausgelöst und das Brustdrüsengewebe gelockert. Das unterstützt eine effektivere Milchabgabe.
Wie lange sollte ich vor dem Stillen eine Brustmassage machen?
Bereits 30–45 Sekunden sanfte Brustmassage reichen aus, um Oxytocin freizusetzen und die Brust optimal auf das Stillen vorzubereiten.
Wie oft sollte man eine Brustmassage im Wochenbett durchführen?
Im Wochenbett kannst du vor jeder Stillmahlzeit, jedem Abpumpen oder jeder Kolostrumgewinnung eine Brustmassage durchführen – also gerne mehrmals täglich.
Kann Brustmassage den Milchspendereflex auslösen?
Ja, die Brustmassage ist eine der effektivsten Methoden, um den Milchspendereflex bewusst auszulösen, besonders bei Stress, Müdigkeit oder Unsicherheit.
Ist die Brustmassage auch sinnvoll, wenn mein Baby schlecht trinkt?
Absolut. Die Brustmassage sorgt dafür, dass die Muttermilch leichter fließt, was deinem Baby das Trinken erleichtert – besonders bei müden, kranken oder sehr kleinen Babys.
Kann ich Brustmassage auch beim Abpumpen anwenden?
Ja, unbedingt. Eine Brustmassage vor dem Abpumpen verbessert den Milchfluss, verkürzt die Pumpdauer und kann die abgepumpte Milchmenge erhöhen.

Fazit: Kleine Berührung – große Wirkung
Die Brustmassage ist eine einfache, sanfte Methode mit enormem Effekt.
Sie unterstützt dich dabei, entspannt zu stillen, deine Milch optimal fließen zu lassen und deinem Baby den bestmöglichen Start zu ermöglichen.
Dein Körper kann stillen – manchmal braucht er nur ein bisschen Unterstützung
Über die Autorin:

Nadine Wiedmann ist Hebamme, Babyschlafberaterin, Spiritual Live Coach, Stillexpertin und Gründerin von Panta Rhei Family. Sie begleitet Familien rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, in der Stillzeit und Elternwerden. Ihr Schwerpunkt liegt auf bindungsorientierter Begleitung sowie Stillvorbereitung.
Sie arbeitet in ihrer eigenen Praxis der Bonner Hebammenpraxis und bietet dort unter anderem Stillberatungen an.
Mehr Informationen über ihre Arbeit findest du auf https://www.pantarhei.family, & https://bonnerhebammenpraxis.de/ueber-mich/
Dieser Artikel basiert auf meiner Erfahrung als Hebamme sowie auf aktuellen Erkenntnissen aus der Stillberatung. Ich befinde mich aktuell in der Weiterbildung zur IBCLC (International Board Certified Lactation Consultant). 06.03.2026



Ein super Artikel! Danke für den guten Tipp! Ich habe es direkt ausprobiert und werde versuchen es jetzt in meine Routine zu integrieren